Ein zweites Mal … es musste sein … eigentlich sollte, müsste ich, nun ja … was man alles tun und lassen, vor allem aber soll, will und muss … Unsere Welt, ein Dschungel voller Imperative, wer behält da schon den Überblick … Musste mal wieder raus aus Frankreich … und wieder rein, in
Europa‘s Hauptstadt – Athen.
Habe mit vielen darüber diskutiert … Parisern, Pariserinnen, Barcelonern, Madrilenen, Hamburger, Amsterdamer, Münchner, Londoner und viele Andere … Viele sehen sich selbst als Nabel der Welt … nur Athener, Prager, Warschauer und Budapester nicht … damit ist für mich alles reichskristall-klar … Meine jetzige Woche?
Krass voll.
Statt Urlaub, wie die meisten Franzosen, habe ich mich in diesem Jahr – zum ersten Mal – für Durcharbeiten entschieden … Von wegen ruhiger Sommer und so ein Scheiß … alles Quatsch, stattdessen gab es soviel zu tun wie nie … nicht nur dass sich die Arbeit um mich türmt, nein … es türmen sich
Türme um mich rum.
Von links nach rechts, von rechts nach rechts … links, links, links … Achtung! Rechts um … Marsch-Marsch … Links-zwei-drei-vier … Links-zwei-drei-vier … Links-zwei-drei-vier … nicht einer, nein, mehrere Tsunamis donnern an unseren vormals ruhigen Strand … bauen sich langsam, mehr und mehr
subkutan auf.
„Schon seit Jahren, seit Gerd „Acker“ ans Ruder kam“ … wenn ich nach Bier und Wein bei Wodka lande, auch wenn Kumpel F. mir das strikt verbietet, dann komme ich richtig in Fahrt … all das, jenes Tsunami-Frühwarnsystem, sowie der Schutz vor mentalen Flutwellen, inklusive des Alltags, inklusive
seines Wahnsinns,
baut sich still und leise über jede Arbeits-Woche auf … dann liegen sie da, die Fetzen und losen Fäden, die wie wild herumflattern, in dem zu heißen Wind … um bald, wie Großteile des südfranzösischen Waldes zu sein, nur noch – Fackeln im Sturm … „Nicht nur Charlie Hebdo, Le Canard Enchaîné und
Le Monde diplomatique
schreiben sich deswegen die Finger wund“ … ob’s der letzte Klima-Zweifler, oder der größte Kapitalismus Freund ist, wirklich alle, fangen an zu zweifeln … ein System, dass systematisch alle natürlichen Ressourcen wie Erde, Wasser, Luft, nebst sämtlicher Tierwelt verbraucht, kontaminiert, zerstört, hat
keine Zukunft.
Wissen tut man es schon lange … doch wie immer, wenn Menschen es sich bequem und gemütlich machen, sind Veränderungen nur schleichend möglich … es sei denn, es stehen uns Feuer und Wasser bis zum Halse … dann sind wir panisch, aber wie immer, zu spät … vor Allem, ohne rechtzeitig an
guten Kompromissen
gearbeitet zu haben … Während der Ami Chemie in die Erde pumpt, um Öl und Gas zu gewinnen (wer kommt auf so eine wahnwitzige, selbstzerstörerische Idee?), unsere lieben Franzosen Atomstrom für „grün“ abstempeln (wer kommt auf so eine wahnwitzige, selbstzerstörerische Idee?), importiert man in …
Deutschland
Lebensmittel aus der ganzen Welt, als könnte man im eigenen Land, keine anbauen … als hätte man es verlernt oder so … Von weitem betrachtet (vom nahen genauso, befürchte ich) … kommen einem diese Dinge wie die Ideen und Handlungen von Idioten, Schwachsinnigen, Verwirrten, Verrückten, oder eben …
Unwissenden vor.
Letzteres wäre noch das Beste, trifft aber leider NICHT zu … So ganz und gar nicht … All das ist Kalkül, eiskalte Berechnung … Noch nie haben Menschen soviel gewusst wie heute … Nahezu ALLES können wir wissenschaftlich erklären … Selbst das sagenumwobene Gottesteilchen, das berühmte
Higgs-Boson
konnten wir Menschen 2012 nachweisen (siehe letzter Blogbeitrag) … Wir wissen zwar nicht alles, aber immer mehr und mehr … Und? Was machen wir damit? … Tja, jetzt könnte es interessant werden, doch diese Thematik lasse ich lieber links liegen, weil sich rechts was Wichtigeres zusammenbraut … Heute wählen unsere lieben Freunde aus
Sachsen-Anhalt.
Heute, am 6.September 2026 erleben wir die echte, wahre Zeitenwende … Vorbei das Gelaber von politischen Wendehälsen … Heute Abend darf man der nackten Realität in den mit Reißzähnen gebleckten Rachen starren … Heute Abend hoffe ich, dass sich Gerd Schröder und „Muddi Merkel“, nebst ein paar weiteren bekannten Politikern, mögen ein paar nicht mehr unter uns weilen, vor den Spiegel stellen und mit allem Ernst, aller gefühlter Verantwortung sagen:
JA – ICH WAR ES.
Was uns heute Abend und nächstes Jahr in Frankreich präsentiert wird, ist nichts Geringeres, als die zu zahlende RECHNUNG … Schluss mit Debatten, weltfremden Erklärungen … heute Abend wird abgerechnet und BEZAHLT … Ein Souverän rechnet mit der politischen Klasse ab … vermutlich wird der Preis
zu hoch sein,
aber sicher ist, es wird – abrechnet … Schon jetzt kann man sie nach den üblichen Bla-Bla-Erklärungen suchen und greifen sehen, was den erdrutschartigen Verlust der bürgerlichen vier Parteien in allen folgenden Landtagswahlen noch weiter beschleunigt … Über die Verantwortung der lieben Medien möchte man gar nicht erst anfangen
zu diskutieren.
Sie haben die Handlungsunfähigkeit der Politik schamlos ausgenutzt … Es wird nämlich nicht besser, wenn Milliardäre Steuern hinterziehen … welch Affront, als hätten sie nicht längst zu viel, um sich moralisch verantwortbar zu verhalten … nein, im Gegenteil: In den sozialen Medien, auf neu-deutsch …
Social Media
grassiert ein immer stärker wachsender Trend, dass man Reichtum und Dekadenz nicht nur unverhohlen zeigt, sondern zelebriert, als wäre Luxus eine Ersatzreligion und Bernard Arnault (LVHM) sein Hohepriester … Nun also wieder eiserner Besen, nach 80 Jahren Pause … nun denn, also los jetzt, auf Kameraden,
zieht euch warm an,
jetzt fliegt er uns um die Ohren, unser Kolonialismus … Ego getriebene Alphatiere können nicht Kollaborieren, nur sich gegenseitig auffressen … selbstregulierender Markt … man könnte sich totlachen, wenn man es nicht längst, vor Allem, schon lange besser wüsste.
Wegen all dem
und noch viel mehr, muss ich hin und wieder zur Quelle – nach Athen … Hier spüre ich die 2500 Jahr alte Wirbelschleppe unserer Geschichte … Späte Ankunft am Flughafen Athen, wie immer nur mit Rucksack, rein ins Taxi … „Ich heiße Christos“, sagt er, bekreuzigt sich und fragt wo ich hinwill.
„Zur Akropolis“
Wohin auch sonst … wir plaudern über Gott und die Welt, mein Griechisch wird besser, aber nur langsam … Wir hangeln uns so durch … plötzlich leuchtet das Cockpit von seinem gelbem Skoda Oktavia wie ein Christbaum, sogar der Motor geht aus … wir rollen mit Warnblinker an den Standstreifen der Autobahn,
na prima, denke ich.
„Ist nur ein elektrisches Problem, lasse ich Montag reparieren“, seelenruhig spielt er mit dem Zündschlüssel herum, tippt, drückt au fein paar Tasten … plötzlich springt der Motor wieder an … wir schleichen mit 80 Stundenkilometern und Warnblinker über die Autobahn … er ruft seinen Kumpel Kostas an „Ela File mou,
was geht?
Ja, alles gut bei mir … ich habe einen Gast im Auto, ja-ja … Was? Ach hör doch auf … ist doch gar nicht wahr, also Mensch, wenn das so ist, dann … was?“ … habe ein Déjavu mit dem Song „Sabine“ von Trio, als sich Christos mit Kostas unterhält … „wo genau willst du hin, file mou?“ … ich suche die Adresse vom
K.O.T.E.S. raus.
„Kolokotroni 57“ … schon leuchten seine Augen „Bravo file mou … éla, pame“ … K.O.T.E.S. (Booze Cooperativa) mein absolutes Lieblings-Wohnzimmer der Stadt … wie immer ist es sommerlich warm in Athen … bestimmt 35 Grad, noch dazu der Spirit hier … Sonnenschein, Bier, Wein und Elektro,
mehr brauche ich nicht.
Ankommen im Entkommen und umgekehrt, alles gleichzeitig … Gibt kein entkommen … Habe keine Patentrezepte, nur sozial verträgliche Wege, mich aus dem Sichtfeld zu stehlen, wenn es zu destruktiv wird … Unbalancierter, nicht benötigter Überlebenswille in einer ultrasicheren Welt, der sich durch tiefverwurzelten
Darwinismus
in Schulen, durch unser ganzes Leben, durch die Meritokratie Europas schiebt … mühelos unterdrücken, morden und brandschatzen wir … heute nur noch indirekt, wir lassen die Schmutzarbeit lieber andere machen … Am besten einen ruhmreichen Krieg mit den Soldaten anderer führen (was soll das bitte sein, ein ruhmreicher Krieg?)
All das, gepaart mit Arroganz
und unkanalisiertem Ego bleiben wachsende Herausforderungen fürs Überleben im Jetzt, nebst Zukunft … Zwei Wochen abschalten … Tolle Menschen treffen,griechisch hören, versuchen so zu leben … Materialismus, Exklusivität, Elitenbildung und Kolonialismus maximal zurückdrängen … klingt alles toll und utopisch … komme mir manchmal trotzdem ziemlich komisch vor, als hätten die 68iger Studenten in Europa umsonst gestritten … dann jedoch weiß ich, es ist genau anders herum: Es war und ist alles so sicher und friedlich
DESWEGEN.
Heute bräuchten wir Ähnliches … Macht und Geld regulieren sich nicht selbst, sie verkonsumieren unser aller Freiheit, Ressourcen – Leben, wenn Autokraten in den Krieg ziehen lassen … „Es ist Krieg und keiner geht hin“ welch schönes Friedensplakat und Graffiti aus dem Jahr 1981 des Hamburgers
Johannes Hartmann.
Und heute? … Keine Ahnung … habe keine Ahnung was junge Menschen wirklich umtreibt … Christos kurbelt uns durch‘s Zentrum von Athen … gräbt, bohrt neue Wege, wo keine sind … zwei Mal bleiben wir noch liegen, wir lachen darüber, es ist ja nur ein Auto … soll er mal den Deutschen sagen, denke ich,
dann endlich,
sind wir da … schon höre ich den mir bekannten Dark Wave Sound von Resident DJ Giorgos … dann die Überraschung beim Zahlen … längst sind die Preise auch in Athen durch die Decke … vor Kurzem zahlte man 35€, so sind es heute 45 … doch mein Christos ist ein Schlingel … alleine mit diesem Namen, sein
ständiges Bekreuzigen,
was jedes Mal sehr ernst und inbrünstig ist … „für dich mein Freund heute nur 55€“ … früher hätte mich das nervös gemacht … doch irgendetwas hat sich verändert … „Habe leider nur 50€ in bar, ist das okay für dich“ … sein überraschtes Gesicht leuchtet nur kurz auf … sofort geht es für ihn weiter.
„Natürlich!
Vielen Dank für das schöne Gespräch, du bist der größte Philhellene, der mir je begegenet ist, wirklich, so wahr ich hier sitze und mir“ … er hält mir einen Strauß bunter schöner griechischer Wortblumen hin, die toll klingen … mochte die Hälfte stimmen, oder 10%, es war mir egal … Christos hat immerhin zwei Kinder.
Mütter und Väter
stehen unter Naturschutz, ist kosmisches Gesetz, sie haben Freibrief … Christos bringt sie hier in Athen durch, versucht Menschen aus ihnen zu machen … dabei kommt er aus Sparta … stolzer Soldaten-Enkel von König Leonidas … sein Leben hat er sich nach 2010/12 bestimmt ganz anders vorgestellt.
Daher zolle ich Respekt …
Für alle da draußen …
Die Gleiches tun …
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