Kein Ende – Odyssee 2026

in Sicht … keine Ahnung, ob es die dritte, vierte oder fünfte Hitzewelle ist, die in den nächsten Tagen in Südfrankreich anrollt. Ist auch nicht wichtig … es ist heiß, schon seit Wochen, seit Monaten … wie Marcel Proust liegt man nur noch im Bett herum … Darty sei Dank, habe ich einen Ventilator … zwar brauchte ich Geduld, bei der Jagd,

aber es gelang.

Seitdem dreht er jeden Tag ein paar Stunden seine Runden … so wie meine wildgewordenen Gedanken, die in meinem Gedächtnispalast herumspringen, wie Frösche auf heißen Herdplatten … eigentlich ist mein Leben beinah kafkaesk … zwar fühle ich mich nicht wie ein Käfer, dafür eher wie eine Mischung aus Mensch und Reptil … ewig

regungsloses Ausharren.

Und wenn bewegen, dann flott und zackig, damit es schnell vorüber ist … auch mein Futter hat der Wärter völlig umgestellt … in meinem Napf finde ich nur noch griechischen Joghurt, Tomate, Gurke, Feta und gekochte Eier … Eiweiß ist wichtig, meint er … auch reden wir kaum noch miteinander … eher herrscht Stille in meinem kleinen

heißen Stall,

wenn Ventilator und Musik schweigen … Besuch empfange ich bei der Hitze zur Zeit auch nicht mehr … alle igeln sich ein, außerdem rennen wir alle nackt zuhause herum, um es erträglich zu haben … stellt euch das mal vor, so ein FKK-Besuch … die Gäste kommen an, ziehen sich aus und setzen sich nackt zu dir an den Tisch

„Zum Wohl!“

wird gerufen, man prostet sich zu … ich hole Finger-Food aus dem Kühlschrank, während Glocken und Gemächt dabei herumbaumeln … muss irre komisch sein, nur will man das? Will man seine Freunde nackt sehen? Will ich, dass sie – mich – splitterfasernackt sehen? … Und wie wäre es in Badehose? Wäre das nichts?

Ist alles Quatsch.

Sowas funktioniert nur, wenn du in einem roten Holzhaus in Ringköbing in Dänemark im Urlaub ist und Hotdogs mit Faxe zum Mittag verspeist … wenn dein Horizont soweit ist, dass du dir kleine geistige, temporäre Zigeuner-Inseln erlaubst und diese dich traust, auszuleben, dann mag das funktionieren  … in Frankreich, Toulouse ist das schwierig,

fast unmöglich.

Man fliegt zwar in den Balkan, um Städte.- oder Erholungs-Urlaub zu machen … sich aber balkanesk verhalten? Gar zuhause kopieren? Nein, auf gar keinen Fall … aber was soll’s … nobody is perfect … jetzt haben wir ihn, den ewigen Sommer … wie oft wünschte ich ihn mir, besonders wenn es regnete … doch jetzt, wo ich ihn habe, ganz ehrlich,

habe ich meine Zweifel.

Ganz SO warm habe ich mir das dann doch nicht vorgestellt … aus einer Mischung aus Kopflosigkeit und Neugier heraus kaufte ich mir vorgestern ein Thermometer … Mein Duplex-Studio hat sein Bett ja oben, über „Salon, Küche und Bad“, wo es natürlich wärmer ist als unten. Oft dachte ich mir schon, fragte mich

„mein Gott Walter,

wie warm ist es hier?“ Überhaupt: Hitze finde ich an sich großartig … so wie sie dich körperlich grillt, macht sie es auch mit deinen Gedanken … All der überschüssige Wohlstandspeck verbrennt, schmilzt, zerfließt im Zeitraffer für immer dahin … Smalltalk, Umwege, all die Zierde und Dekoration, Chie-Chie … alles, was meiner bürgerlichen Mitte wichtig war – schwindet … sogar die mühselig aufgebaute unüberwindbare Separierung,

jene Standesgrenze

aus Bildunk, Herkunft, Hautfarbe, Etikette und Arroganz, sogar sie wackelt, erzittert in ihren Grundmauern, obwohl sie doch so unzerstörbar mit Standesdünkel, dem besten Fugenmörtel der Welt errichtet wurde … Sie alleine schaffte es zu verhindern, dass wahre Barmherzigkeit in unsere DNA sickerte … sie schaffte es, den lebensfrohen

Verhaltens-Balkan

zurück in die Finsternis zu drängen, dort, wo sie hingehört … natürlich kam niemals jemand auf die Idee, dass man dort im vermeintlichen Mordor, aus westlicher Sicht, unbekümmerter lebt, als im achso weit entwickleten Westen, der uns jetzt den Alltag mit „political correctness“ Gendern und anderen moralischen Errungenschaften mehr und

mehr verschönert.

Gesundheit und Sicherheit haben Freiheit und Gleichheit nicht nur längst ersetzt, sondern hat man beide auf dem digitalen Scheiterhaufen Social Media öffentlich, weltweit sichtbar verbrannt … Was aber ist mit Brüderlichkeit? Gerne auch Schwesterlichkeit? … Auch sie hat man ersetzt, nämlich durch Konservativismus, in manchen Regionen sogar

durch Faschismus,

den man jetzt mit Instagram, TikTok und Highspeed-Glasfaserkabel ENDLICH auch in die kleinsten Dörfer verteilen kann … in die gierige, von Corona geweiteten Defizit getriebenen süchtigen Venen spritzt …  am besten stündlich … zur großen Freude der „Big-Four“, am Meisten bestimmt von Russland und natürlich

den USA.

Hatten wir doch die letzten Jahre, mühselig all jene trennenden Mauern sichtlich geschwächt, zum Teil eingerissen … endlich, Europa erwachte, wer hätte das gedacht … „vielleicht kriegen wir es doch hin“, sprach sogar mein Monsieur Thalamus, mit frohlockend leuchtenden Augen … bis, ja, nun, wir wissen es alle,

bis Corona

und Don Blondies Return am Strand unseres Limbus gespült wurden … bald schon befiel sie uns wieder, jene alte Krankheit, die wir dachten, hofften, endgültig besiegt zu haben wie die Pest, von der heute niemand mehr redet … bis man wieder begann, in Kopflosigkeit, unüberlegt, hektisch panisch

Grenzen zu schließen.

Nur zäh, langsam öffneten wir uns, bis die blonde Orange wiedergewählt wurde … Seitdem scheinen europäische Politiker und Firmenlenker wieder vom gleichen ansteckenden Virus der typischen Alphatier-Orientierungslosigkeit gepackt worden zu sein … Und statt sich zusammenzuraufen, wie wir es zuvor begonnen hatten,

haben wir langsam,

kaum merklich begonnen, sämtliche Errungenschaften wieder zurückzudrehen, dass heute alle Europäischen Kolonialmächte wieder konservative Parolen schwingen … zuweilen mit versteckt, oder unverhohlen faschistischem Unterton, dass sich jeder Kompatriot mit deutschem Pass am Besten wieder ein dutzend

Reservehirschhornknöpfe,

sowie die rote Binde vom Großvater oder Urgroßvater auf dem Dachboden sucht und frisch gebügelt und gestärkt zurechtlegt … Was also bleibt übrig, nachdem ich erst DieZEIT, dann die Wochen-Taz gekündigt und durch zwei französische Satire-Zeitungen ersetzt habe?

Was eigentlich?

Welche Art von Essenz? So eine Art harter Kern? … Etwas Unaussprechliches vielleicht, ohne dem es nicht geht? … Etwas radikal nacktes, humanistisches Unverhandelbares? … Und was denken, fühlen diese vielen zuweilen mit zu viel Durschnittlichkeit beschenkten Politiker, wenn sie jemandem wie Pedro Sanchez zuhören – bloß zuhören, ohne sofort

zu urteilen – was?

Was haben die 4 von 12 einsatzfähigen Canadair Löschflugzeuge mit unserer europäischen Situation gemeinsam? Was zeigt, sagt uns das Versenken von europäischem Atommüll im Atlantik über unsere Kreativität und Offenheit für alternativen für Kernenergie, Glyphosat usw. ? Gar nichts? Etwas? Ein wenig, oder gar doch …

ganz viel?

Zum Glück beschäftige ich mich damit nicht mehr … Seit ich nur noch Gedichte schreibe, meine Romane auf Eis liegen, ich die Nachrichten meide, ist zumindest meine Laune besser … Heiß ist es zwar immer noch, aber mit guter Stimmung … „Tschinde-Rassa-Bumm“ … Niemand schreibt vor, welchem Obdachlosen ich Gelde gebe, oder nicht.

Nobody – schreibt mir vor,

Smalltalk zu meiden und stattdessen lieber zu schweigen … auch wenn es in Zeiten von digitalen Sprachtsunamis, Instagram-Dauerfeuern und Youtube-Stahlgewittern mehr als nur weird und schräg wirkt, wenn man‘s Maul hält … Hoffentlich geht es meinen „Ex-Verwandten“ nebst „Ex-Schwiegermutter“ gut im hoffentlich gelöschten …

Gironde-Kreis.

Denn gleichwohl weder Verwandlung zu Käfer, oder Krokodil noch nicht vollständig angeschlossen sind, so sind dennoch genügend empathische Gedanken und Menschen vorhanden, die sich immer wieder und wieder neu miteinander vernetzen … vielleicht wird ja noch was daraus … mal sehen .. in der Zwischenzeit heißt es

Ventilator-Nudismus …

Genügend trinken …

Und warten auf …

Godot …

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