Alle sah ich mir an, manche sogar von innen … Automobil.- , Schützen.- und Motorsportvereine … Fußball.- und Leichtathletik-Clubs … auch Autoren-Vereinigungen, Verlage, beim PEN-Berlin und der ALTOBA fragte ich an … wenig ließ ich aus … überall packte mich der gleiche Reflex … nämlich, gleich, nein, sofort
wieder wegzulaufen
Keine Ahnung, warum … vielleicht meine Aversion vor Uniformen? Oder doch dies Gefühl von eingesperrt, freiwillig in einem Gefängnis zu sein? … Gar die Gesellig.- und Gemütlichkeit, vor der ich regelrecht Panik habe … es geht so weit, dass ich selbst Kneipenbesuche mit meinen besten Freunden kurzfristig verändere, für mich
abbreche
und mich dann stundenlang alleine draußen aufhalte, weil Lärm, sich gegenseitig Anbrüllen, gedrängtes Zusammensitzen und große Hitze mir schnell zu viel sind … Egal wie ich es drehe und wende: ab einem gewissen Punkt, kann ich Empfindungen, Wahrnehmungen und Gefühle nicht mehr ignorieren …
geschweige wegdrücken.
Es ist mir unmöglich … Dinge zu tun, oder nicht zu tun, weil „man sie so, oder so macht“ ist schwer für mich … es kostet Kraft, innere Überwindung, nicht selten, maximale Konzentration … Langweiliges kann man spannend erzählen, sofort hänge ich an den Lippen, stundenlang, wie bei Märchenerzählungen … Ist es aber
langweilig erzählt,
dauert es nur wenige Minuten und mein Geist geht auf „Stand-by“ … er schaltet einfach ab und lässt mein inneres Didgeridoo sanft erschallen … egal wo, ob bei der Arbeit, mit Freunden und Familie, sogar beim Begräbnis … sobald es langweilig wird, keiner Initiative ergreift, um das zu ändern,
mache ich’s – selbst.
Dann habe ich kein Problem mit stundenlangem Labern, obwohl ich eigentlich ein schüchterner Typ bin, der lieber still beobachtet, am Besten, von niemandem angesprochen wird … geschweige, irgendetwas sagen muss … Seit 50 Jahren ist das nun schon so und ich glaube, ich, werde mich
nicht ändern.
Freunde und Freundinnen kennen den leeren Blick von mir nur zu genau … Wie peinlich mir das ist … ihr könnt es euch nicht vorstellen … ausgerechnet ich, der eigentlich kaum aus sei‘m Schneckenhaus rauskommt … es sei denn nach Jahren, wenn ich mich traue, wahre Gefühle und Gedanken …
auszudrücken,
ausgerechnet ich, mir, sieht man alles im Gesicht an … liest in mir wie in‘nem offenen Buch … ungezählte Male hat das für Stress und Ärger gesorgt, besonders dann, wenn man es merkte und ich noch dazu die Frechheit besaß, auf die Frage: „Hörst du mir eigentlich zu?“ – mit „JA“ zu antworten … Ich sag’s euch, echt:
50 Jahre
geht das schon so … Freundin J. unterstellte mir einst, dass ich diesen „merkwürdigen Freak“ nur spielen würde, weil ich mich in der Rolle des „Außenseiters / Outsiders“ wohl fühle, mich eingerichtet hätte … merkwürdig, auf was Menschen so kommen … gar nichts sucht man sich aus, im Gegenteil … egal, ob Grund.- oder Hochschule, egal ob Brennballmannschaften auswählen, oder Motorsport, so lange und oft ich …
es versuchte,
nie hat mich das System an.- oder aufgenommen, nie fühlte ich mich dazugehörig … schön daran war, dass es auf völliger Gegenseitigkeit beruhte … beide Seiten schienen sich einig … Immerhin, welch Erfolg, völlige Koherenz, wir großartig … Analysiert hat man‘s auch nicht, weder ich
noch andere.
Obwohl, nicht ganz: In der Grundschule Mendelstraße von Hamburg Lohbrügge meinte Klassenlehrerin Frau Leptien zu meinen Eltern „der Junge hat eine hohe Aufmerksamkeit, füttern Sie seine Neugier“ … heute, mit etwas Abstand, würde ich meinen, dass das für jedes Kind gilt … Vielleicht nur etwas weniger sichtbar.
Wer weiß das schon.
Jedenfalls muss ich zugeben, dass ich mir in all der Zeit treu geblieben bin … denn immer dann, wenn jemand mich zu etwas bewegen, mich zu etwas, in ein Konstrukt, Korsett, oder in eine Form zwängen wollte, passte ich nicht rein und riss immer wieder aus … Irgendeinen Grund muss es geben, warum drei Anläufe …
zu heiraten,
von mir abgebrochen worden … dabei bin ich ein total sozialer Mensch, ich liebe es mich mit anderen zu treffen, zu plaudern, eine gute Zeit zu haben … Vielleicht muss ich mit diesen unterschiedlichen Facetten versuchen genauso weiterzuleben, wie bisher.
Zurzeit jedoch,
ist mein Selbst, inklusive mein Ich, ziemlich stark beeindruckt, von der Zerstörungskraft von Feuer und der menschlichen Bereitschaft zu Krieg, sowie helfend Notwendiges zu unterlassen, was für mich, aus meiner Sicht, von der gleichen Flamme voll zerstörerischer Aggression befeuert wird … Seit ich mehrere
schockierende Filme,
sowie eben solch dutzende Bilder vom Feuer bei Bordeaux gesehen habe, ist es genug … Jeden Tag denke ich an meine Ex-Schwiegermutter F. in Castelneau-de-Medoc … ist das Feuer hoffentlich noch weit weg? … Aber was ist mit denen, die es überrollt hat? … Sind solche Gedanken egoistisch, nur weil ich F.
gut kenne?
Vielleicht trifft ja die europäische Hilfe aus den Nachbarländern rechtzeitig ein, um Schlimmeres zu verhindern … an die Evakuierung von Bordeaux möchte wohl keiner denken … Überhaupt, über die wahren Ausmaße des Feuers bei Bordeaux machen wir Unbetroffenen uns keinen Begriff,
glaube ich.
Nicht auszudenken, wie es den älteren Menschen gehen muss, die sich ihren Lebensabend sicher anders vorgestellt haben … Selbst Kumpel K. in Saint-Germain-du-Puch ist direkt betroffen … Nicht nur, dass Rauch und Qualm, sowie die Evakuierung der Großstadt Bordeaux drohen …
der wirtschaftliche Ausfall,
der die vom schlecht laufenden Weingeschäfte seit Jahren gebeutelte Region in Atem hält, der nun obendrauf droht, weil vermutlich diverse Urlauber ihre Aufenthalte stornieren dürften, wird ein weiterer Tritt in die Magengrube sein, den Frankreich versuchen muss zu verdauen …
Welch Ironie,
als würde die Welt nicht längst genug brennen … brennen entfesselte Feuer jetzt auch bei uns zuhause noch Land, Wälder und Orte ab … Religiöse Fanatiker hüben wie drüben des Bosporus, mögen es auf ihre Weise interpretieren … ich spare mir das in diesem Fall … Manchmal ist Stille, die einzige …
angebrachte Sprache.
Warum von 12 Canadair CL-415 Löschflugzeugen nur 5 im Einsatz sein können, ist mehr als ärgerlich … sollte sich herausstellen, dass es eine Konsequenz von Einsparmaßnahmen war … genauso, wie die 2022 von Macron angekündigten neuen 16 Stück vom Nachfolgemodel, die man bestellen wollte, um die alten zu ersetzen,
dann wird’s Ärger
geben, sehr großen Ärger! … Wodurch verschleppt sich alles? … Sind wir faul? Oder so unverlässlich, fahrlässig? … Griechenland hat 2024 sieben von dem neuen Löschflugzeuge DHC-515 bestellt, obwohl das Land rund 25% Fläche von Frankreich misst … Wie viele hat La France bestellt und vor Allem
– wann?
Mich interessiert nicht die Sache … ständig verschleppen wir Dinge … man denke an den Atommüll, den man im Atlantik versenkt hat, die Tatsache, das Kernenergie „GRÜN“ in La France ist … das Frischwasser, ein ähnlich „heißes“ Thema ist … und das steigende Temperaturen, gleich weniger Leistung der Kern-Reaktoren bedeutet.
Man möchte lachen.
Warum bewegt, verändert sich alles so unendlich langsam, oft sogar – gar nicht? … Meine Theorie ist: Furcht und Angst. Ja – ich glaube ja, so einfach ist es … Unsere Furcht vor Veränderung sperrt sich unbewusst gegen alles, auch das, was überlebens-notwendig ist … erst mit dem Rücken zur Wand, tun wir was,
manchmal !
Wir sollten unserer Neugier wieder mehr folgen … statt Furcht vor Veränderung, sollten wir uns trauen, wieder Neugier dafür zu wecken, wie früher, als wir Kinder waren … Wo ist sie geblieben, unsere Freude am Unbekannten? … Haben wir sie vollständig verloren? … Warum habe ich sie mir so lange
bewahren können?
Aus der Not heraus, als Randgruppe eigene Wege gehen zu müssen? … Oder gibt es andere Mechanismen, die mir das erhalten haben? … Scheinbar weiß ich es nicht … ist vielleicht auch nicht schlimm, gar wichtig … bin längst darüber hinaus, alles verstehen wollen zu müssen … ich kann mit
Nichtwissen,
mit „Nicht-Beantwortet-Werden“ heute gut leben … meine Neugier ist die Gleiche wie früher, aber sie hat gelernt, manche Antworten nicht erhalten zu müssen … Stattdessen ist die Aufmerksamkeit im Alltag gewachsen, besonders bei den kleinen Dingen … Es ist nämlich so: Es sind keine 16 neue Löschflugzeuge da, weil wir …
faul und zerstreut,
nicht selten Gleichgültigkeit empfinden … weil wir oft nicht betroffen sind, keinen Schmerz spüren, kein „Skin in the game“ erleben, weil wir unser Leergut vor den vollen Flaschen-Container stellen … weil wir uns vordrängeln, uns nicht scheuen, andere mit unserem frechen, unwissenden Mund vollzulabern, anstatt den selben –
viel besser zu halten.
Uns ist es in Wahrheit oft egal, was die Konsequenzen sind … oft kennen wir sie nicht, weil sie weit weg, in der Kolonie stattfinden, erlebt werden, während in Paris, Berlin oder Madrid alles prima ist … Es sind Komfort, Standesdünkel und Narzissmus, sein wir ehrlich … Wir wollen, dass alle gleich sind und doch leben wir …
gar nicht danach.
All das wissen wir … Jetzt bei der großen Feuerkatastrophe in Süd-West-Frankreich rücken wir Menschen zusammen, besonders die, die betroffen sind, wie immer … werden wir unsere Schlüsse daraus ziehen? Wird die Presse es lange genug verfolgen, damit sich was ändert? … Wird sie den langen Atem aufbringen? Werden wir alle danach
anders handeln?
Ist danach nicht das neue davor? … Letztlich zahlen wir Bürger immer die Zeche … Und genau das, scheinen wir meistens zu vergessen, egal ob wir die Welt mit Glyphosat verseuchen, unsere Lebensmittel mit Monokultur dezimieren, unser Trinkwasser mit Chlor vergiften, um es trinkbar zu machen …
die Liste ist lang
und wir alle sind Teil davon … wollen wir das? … Will ICH das? … Will ich, dass sich nichts ändert? Bin ich bereit, meinen Teil dazu beizutragen? … Kenne ich meinen Teil eventuell? … Beim morgendlichen Zähneputzen begegnet er uns … Herr und Frau Mustermann, mit dem strahlenden Zahnpasta-Lächeln …
Jeden Tag aufs …
Neue …
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